Was bedeutet Euro 6?

Euro 6 Norm: Das sollten Sie über die Schadstoffklasse wissen

Beim Verbrennen von Kraftstoffen entstehen zwangläufig Schadstoffe. Ein Teil gelangt als Feinstaub, Kohlenstoffmonoxid oder Stickstoffoxid in die Umwelt. Die Schadstoffklassen unterteilen Autos nach der Höhe ihres Schadstoffausstoßes. Anhand der Klasse lässt sich also erkennen, wie umweltfreundlich beziehungsweise umweltschädlich ein Fahrzeug ist. Sichtbar ist die Schadstoffklasse durch die Umweltplakette/Feinstaubplakette an der Frontscheibe, die je nach Klasse gar nicht vorhanden (Euro 0 und 1), rot (Euro 2; hoher Schadstoffausstoß), gelb (Euro 3) oder grün (Euro 4 und 5; geringer Schadstoffausstoß) ist. Seit dem 1. Januar 2015 gilt für Neufahrzeuge in der Europäischen Union die Abgasnorm Euro 6. Lesen Sie, welche Änderung sie mitbringt.

Niedrigere Grenzwerte für Benzin- und Diesel-Fahrzeuge

Die Feinstaub- und Stickstoffoxid-Belastung in Großstädten steigt seit Jahren rasant und stellt für Mensch und Umwelt gleichermaßen eine Gefahr dar. Umweltzonen, die nur noch Fahrzeugen bestimmter Schadstoffklassen das Befahren von Innenstädten erlauben, sollen helfen, diese Belastung zu verringern. Allerdings ist der Partikel- und Stickstoffoxid-Ausstoß vieler Diesel-Fahrzeuge der Klassen Euro 4 und 5 immer noch hoch. Die Abgasnorm Euro 6 senkt die erlaubten Grenzwerte deutlich. So dürfen Diesel-Fahrzeuge statt bisher 180 mg Stickoxide pro Kilometer nur noch 80 mg ausstoßen – eine Senkung von mehr als 50 Prozent. Für Benziner, die generell weniger Stickoxid ausstoßen, sinkt mit Euro 6 der Grenzwert von 80 auf 60 mg pro Kilometer. Ein Absinken des Grenzwertes gibt es bei der neuen Abgasnorm auch beim CO2. Statt bisher 110 mg dürfen Fahrzeuge nur noch 95 mg CO2 pro Kilometer ausstoßen.

Wie gelingt es technisch die neuen Grenzwerte einzuhalten?

Eine Verringerung des Stickoxid-Ausstoßes ist vor allem für Diesel ein Problem. Neufahrzeuge verfügen deshalb über aufwendige Abgasreinigungssysteme, die das Einhalten der Abgasnorm ermöglichen. Bei vielen Diesel-Fahrzeugen setzen die Hersteller einen in der Regel wartungsfreien NOx-Speicherkatalysator ein, um die Stickoxid-Emissionen in den Griff zu bekommen. Bei größeren Autos und Transportern ist das jedoch oft nicht ausreichend. Hier sind SCR-Systeme (selektive katalytische Reduktion) in Kombination mit ADBlue gefragt, um den Diesel sauberer zu machen. Die SRC-Systeme können mit der Harnstofflösung, die in den Auspuff eingespritzt wird, schädliches Stickstoffoxid in harmlosen Stickstoff und Wasserdampf umwandeln. Dieser kann dann einfach über den Auspuff in die Umgebungsluft entweichen und stellt keine Gefahr mehr dar. Das System ist bis auf das ADBlue, welches in gewissen Intervallen nachgefüllt werden muss, wartungsfrei.

Was ändert sich für Fahrer eines Euro 4- oder Euro 5-Autos?

Für Besitzer eines Autos mit Euro 4- und Euro 5-Plakette ändert sich kaum etwas. Sie behalten auch weiterhin ihre grüne Umweltplakette. Allerdings haben einige Großstädte wie Stuttgart angekündigt, zukünftig nur noch saubere Diesel mit Euro 6 in ihre Zentren lassen zu wollen. Besitzer eines älteren Diesels, die in die Innenstädte müssen, müssten dann auf alternative Verkehrsmittel umsteigen, sich ein neues Auto anschaffen oder ihren Diesel nachrüsten lassen. Bei einigen Fahrzeugen ist das durch den nachträglichen Einbau der genannten Abgasreinigungssysteme / SCR-Systeme mit ADBlue möglich, allerdings auch mit Kosten verbunden. Unklar ist, ob es für die geschätzten 1.500 Euro, die für den Umbau anfallen, in absehbarer Zeit eine staatliche Förderung geben wird. Erfüllt das Auto die neue Norm, erhält es statt der grünen Feinstaubplakette die voraussichtlich bald verfügbare blaue Variante. Wer nicht umrüstet, muss bei Einführung strengerer Umweltzonen wahrscheinlich mit einem Wertverlust seines Diesels rechnen.

Worauf beim Fahrzeugkauf achten?

Beim Kauf eines neuen Diesels ist sichergestellt, dass der Wagen die neuste Abgasnorm erfüllt. Anders sieht es beim Kauf eines jungen Gebrauchtwagens aus, der vor dem Stichtag verkauft wurde. Hier sollten Käufer, die beruflich oder privat viel in Großstädten unterwegs sind, ein Auto mit der neuen Abgasnorm favorisieren. Alternativ bietet es sich an, ein Auto zu wählen, welches sich kostengünstig nachrüsten lässt. Nach bisherigem Stand sind die Preise für aktuelle Diesel trotz der Diskussionen um Fahrverbote für ältere Fahrzeuge stabil, sodass Autokäufer nicht damit rechen müssen, aufgrund des Wirbels extra zur Kasse geben zu werden.

Bildquelle: Orlando_Stocker / Shutterstock.com

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