Freie Werkstatt oder Vertragswerkstatt? Wo liegen die Vorteile?!

Freie Werkstatt oder Vertragswerkstatt?

Ob Reparatur, Ölwechsel oder Inspektion – muss das Auto in die Werkstatt, stehen Fahrzeughalter vor der Wahl, in eine Vertragswerkstatt oder einen freien Kfz-Betrieb zu fahren. Unabhängige Werkstätten bieten ihre Dienste oft zu niedrigeren Preisen an als es Händler und Markenwerkstätten können. Um den Geldbeutel zu schonen, entscheiden sich deshalb viele Autofahrer für eine freie Werkstatt. Doch welche Auswirkungen hat das auf die Garantie und die gesetzliche Gewährleistung? Gibt es Stolpersteine? Und: Leisten freie Werkstätten genauso gute Arbeit wie eine Vertragswerkstatt?

Inspektion in freier Werkstatt – Garantie und Gewährleistung in Gefahr?

Wenn Sie die Inspektion oder eine Reparatur an Ihrem Fahrzeug von einer freien Werkstatt durchführen lassen, hat das keine Auswirkungen auf die Garantie oder die gesetzliche Gewährleistung des Herstellers. Auch dann nicht, wenn der Händler oder Hersteller erklärt, Ansprüche nur dann akzeptieren zu wollen, wenn Sie zur Wartung eine Fachwerkstatt aufsuchen. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat bereits im Jahr 2010 zugunsten der Verbraucher entschieden, dass das Koppeln der Garantie an das Nutzen des eigenen Servicenetzes unzulässig ist. Für Sie als Fahrzeughalter bedeutet das, dass sie frei entscheiden können, ob sie Ihr Auto von einer freien Werkstatt oder einer Vertragswerkstatt warten lassen. 

Doch wie so oft gibt es auch in diesem Fall einige Stolpersteine. Denn nicht alle Arbeiten am Auto können Sie ohne Auswirkung auf Garantie und Gewährleistung von einer unabhängigen Werkstatt durchführen lassen. Und auch bei Inspektionen, bei denen Ihnen gemäß BGH-Urteil eine freie Wahl der Werkstatt zusteht, gilt es einige Details zu beachten.

Freie Werkstatt muss nach Herstellervorgaben arbeiten

Es ist kein Problem, wenn Sie die turnusmäßige Inspektion Ihres Autos von einer freien Werkstatt durchführen lassen. Allerdings sollten Sie sich vergewissern, dass diese nach Herstellervorgaben arbeitet. Die Autohersteller geben ihren Vertragspartnern detailliert vor, welche Komponenten eines Autos sie im Rahmen einer Wartung prüfen und welche Verschleißteile sie erneuern müssen. Hält sich die freie Werkstatt an diese Vorgaben, bleibt die Garantie erhalten. Zur Sicherheit sollten Sie auf der Rechnung vermerken lassen, dass die Inspektion nach Herstellervorgaben erfolgt ist. Übrigens: Auch eine freie Werkstatt ist berechtigt, das Serviceheft abzustempeln. So bleibt das Scheckheft lückenlos, was für einen möglichen Weiterverkauf des Autos wichtig ist.

Defekt während der Garantiezeit – ein Fall für die Fachwerkstatt

Anders sieht es aus, wenn während der Garantiezeit beziehungsweise der gesetzlichen Gewährleistungsfrist ein Defekt an Ihrem Auto auftritt. In diesem Fall ist der Händler beziehungsweise eine Markenwerkstatt der richtige Ansprechpartner. Ihm obliegt es zu entscheiden, die Reparatur entweder selbst durchzuführen oder eine andere Werkstatt zu beauftragen. Nehmen Sie dem Hersteller beziehungsweise Händler diese Möglichkeit, indem Sie in eine freie Werkstatt fahren, kann sich das bei eventuellen Folgeschäden auf die Garantie auswirken. 

Ein Nachteil beim Nutzen einer freien Werkstatt ist die möglicherweise geringere Kulanz des Herstellers. Viele Autobauer beteiligen sich auch über die Garantiezeit hinaus aus Kulanz an den Kosten verschiedener Reparaturen. Dies jedoch meist nur, wenn das Fahrzeug durchgehend und regelmäßig in einer Vertragswerkstatt gewartet wurde. Ist dies nicht der Fall, beteiligen sie sich nur zu einem geringen Prozentsatz oder gar nicht. Da es sich bei der Kulanz um eine freiwillige Leistung des Herstellers handelt, gibt es daran auch nichts auszusetzen.

Ist die Arbeitsqualität einer freien Werkstatt genauso gut?

Zuletzt verglich der Automobilclub ADAC die Arbeits- und Servicequalität von freien und Vertragswerkstätten. Mit ernüchterndem Ergebnis für die unabhängigen Betriebe: In vielen Fällen fanden sie Fehler nicht oder nur nach langer Suche und waren nicht immer in der Lage, die Defekte vollständig zu beheben. Das liegt unter anderem daran, dass Markenwerkstätten mehr Erfahrung im Umgang mit ihren eigenen Fahrzeugmodellen haben und darüber hinaus über spezielle Werkzeuge und Diagnosegeräte sowie mehr Personal verfügen. Andererseits sind freie Werkstätten bis zu einem Viertel günstiger als Fachwerkstätten. Bei der Wahl einer freien Werkstatt empfehlen Experten, Bewertungen und Erfahrungen anderer Kunden zu lesen und darauf zu achten, dass es sich um einen Kfz-Meisterbetrieb handelt. 

Freie oder Marken-Werkstatt – wann wohin?

Bei seltenen, technisch komplexen und hochwertigen Autos ist es ratsam, für Reparaturen und Inspektionen in die Vertragswerkstatt zu fahren. Anders sieht es bei einem Ölwechsel, dem Austausch der Bremsbeläge, kleineren Lackschäden oder einem kaputten Rad aus. Hier genügt in der Regel die Fahrt in eine freie Werkstatt, die Routinearbeiten wie diese schnell und kostengünstig durchführen kann.

Bildquelle: Vereshchagin Dmitry / Shutterstock.com

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