Das Ausrücklager wechseln ist eine anspruchsvolle, aber machbare Aufgabe für erfahrene Heimwerker. Das Ausrücklager überträgt die Kraft vom Kupplungspedal auf die Kupplungsdruckplatte und ermöglicht so das Schalten. Bei Defekt hören Sie meist ein Brummen oder Rasseln beim Treten des Kupplungspedals. Der Wechsel erfolgt zusammen mit der Kupplung, da das Getriebe ohnehin ausgebaut werden muss. Mit dem richtigen Ausrücklager und entsprechendem Werkzeug können Sie diese Reparatur selbst durchführen und mehrere hundert Euro sparen.
Der Austausch dauert etwa 4-6 Stunden, abhängig von Fahrzeugmodell und Erfahrung. Sie benötigen eine Hebebühne oder stabile Unterstellböcke sowie spezielle Werkzeuge zum Getriebeausbau. Die gleichzeitige Erneuerung der Kupplung ist sinnvoll, da der Arbeitsaufwand bereits geleistet wird.
Wie viel kostet es in der Werkstatt?
In einer Fachwerkstatt müssen Sie für den Wechsel des Ausrücklagers mit Kosten zwischen 350 und 800 Euro rechnen. Das Ausrücklager selbst kostet zwischen 20 und 60 Euro, je nach Fahrzeugmodell. Die hohen Gesamtkosten entstehen hauptsächlich durch den zeitaufwendigen Getriebeausbau, der zwischen 4 und 8 Arbeitsstunden erfordert. Bei einem Stundensatz von 80-120 Euro summiert sich der Arbeitsaufwand schnell. Da meist gleichzeitig die komplette Kupplung erneuert wird, liegen die Gesamtkosten oft zwischen 600 und 1.200 Euro.
Benötigte Teile und Werkzeuge
Die richtige Vorbereitung ist entscheidend für einen erfolgreichen Wechsel. Stellen Sie sicher, dass alle Teile fahrzeugspezifisch sind und zur Fahrgestellnummer passen.
Benötigte Teile:
- Ausrücklager (fahrzeugspezifisch)
- Kupplungssatz komplett (empfohlen)
- Kupplungsscheibe
- Kupplungsdruckplatte
- Zentralausrücker (bei hydraulischen Systemen)
- Getriebeöl (Nachfüllung)
- Kupplungsfett (hitzebeständig)
Benötigtes Werkzeug:
- Hebebühne oder stabile Unterstellböcke
- Getriebeheber oder Wagenheber
- Steckschlüsselsatz (10-19 mm)
- Drehmomentschlüssel (bis 150 Nm)
- Verlängerungen und Kardangelenk
- Zentrierdorn für Kupplungsscheibe
- Schraubendreher-Satz
- Kunststoffhammer
- Auffangwanne für Getriebeöl
- Arbeitshandschuhe und Schutzbrille
Zeitbedarf:
Planen Sie 4-6 Stunden für den kompletten Wechsel ein. Für Anfänger kann die Arbeit bis zu 8 Stunden dauern.
Expertentipp vom Kfz-Meister: Wechseln Sie immer die komplette Kupplung mit Ausrücklager in einem Arbeitsgang. Das Ausrücklager kostet nur 30-50 Euro, aber der Arbeitsaufwand ist derselbe wie bei einem kompletten Kupplungswechsel. Wenn Sie nur das Lager tauschen und die Kupplungsscheibe nach 20.000 km verschlissen ist, zahlen Sie doppelt für den Getriebeausbau.
Sicherheitshinweise
Bevor Sie mit der Arbeit beginnen, beachten Sie diese wichtigen Sicherheitsaspekte:
- Arbeiten Sie auf festem, ebenem Untergrund
- Verwenden Sie ausschließlich geprüfte Unterstellböcke, niemals nur Wagenheber
- Ziehen Sie die Handbremse an und legen Sie einen Gang ein
- Klemmen Sie die Batterie ab, um Kurzschlüsse zu vermeiden
- Tragen Sie Schutzbrille und Handschuhe
- Achten Sie auf herabfallende Teile beim Getriebeausbau (Gewicht bis 50 kg)
- Lassen Sie den Motor vollständig abkühlen
- Sichern Sie das Getriebe mit einem Heber oder zweiter Person ab
- Vermeiden Sie Hautkontakt mit Getriebeöl
Schritt-für-Schritt Anleitung
Schritt 1: Fahrzeug vorbereiten und aufbocken
Stellen Sie das Fahrzeug auf eine Hebebühne oder bocken Sie es mit stabilen Unterstellböcken auf. Achten Sie darauf, dass das Fahrzeug absolut sicher steht. Lösen Sie die Radmuttern der Vorderräder, bevor Sie das Auto anheben. Entfernen Sie anschließend beide Vorderräder komplett. Klemmen Sie das Massekabel der Batterie ab und sichern Sie es gegen versehentlichen Kontakt.
Bauen Sie den Unterfahrschutz aus, falls vorhanden. Kennzeichnen Sie alle Kabel und Steckverbindungen mit Klebeband, bevor Sie sie lösen. Das erleichtert den Zusammenbau erheblich.
Schritt 2: Anbauteile vom Getriebe entfernen
Lösen Sie zunächst alle Steckverbindungen am Getriebe, wie Rückfahrlichtschalter, Drehzahlsensor und Massekabel. Entfernen Sie die Schaltstange oder das Schaltgestänge. Bei Fahrzeugen mit hydraulischer Kupplung lösen Sie den Kupplungsnehmerzylinder vom Getriebe, ohne die Hydraulikleitung zu lösen.
Bauen Sie die Antriebswellen aus. Dazu lösen Sie die Radnabenmuttern (wurden bereits gelockert) und die Schrauben am Getriebeausgang. Ziehen Sie die Antriebswellen aus dem Getriebe und sichern Sie sie seitlich am Fahrzeug.
Schritt 3: Getriebe abstützen und ausbauen
Positionieren Sie einen Getriebeheber oder stabilen Wagenheber unter dem Getriebe. Das Getriebe wiegt je nach Modell zwischen 30 und 50 kg. Lösen Sie nun die Getriebelagerung und die Befestigungsschrauben zwischen Motor und Getriebe. Bei den meisten Fahrzeugen sind das 4-6 Schrauben unterschiedlicher Länge – merken Sie sich die Positionen.
Lösen Sie das Getriebe vorsichtig vom Motor, indem Sie es langsam nach hinten ziehen. Achten Sie darauf, dass die Getriebeeingangswelle nicht in der Kupplungsscheibe verklemmt. Senken Sie das Getriebe vorsichtig ab und bringen Sie es aus dem Arbeitsbereich.
Schritt 4: Altes Ausrücklager entfernen
Jetzt haben Sie freien Zugang zur Kupplung. Das Ausrücklager sitzt auf der Getriebeeingangswelle bzw. am Führungsrohr. Bei mechanischen Systemen ist das Lager mit der Ausrückgabel verbunden. Lösen Sie die Befestigungsklammern oder Federbügel und ziehen Sie das alte Ausrücklager ab.
Bei hydraulischen Systemen mit Zentralausrücker lösen Sie die Befestigungsschrauben und ziehen die komplette Einheit ab. Prüfen Sie das Führungsrohr auf Verschleiß und Beschädigungen. Reinigen Sie alle Kontaktflächen gründlich von altem Fett und Schmutz.
Schritt 5: Kupplung prüfen und erneuern
Da das Getriebe bereits ausgebaut ist, sollten Sie unbedingt die Kupplung inspizieren. Lösen Sie die Schrauben der Druckplatte kreuzweise und gleichmäßig, um Verzug zu vermeiden. Entfernen Sie die Kupplungsdruckplatte und die Kupplungsscheibe.
Prüfen Sie das Schwungrad auf Riefen, Brandstellen oder Risse. Bei sichtbaren Schäden muss das Schwungrad geschliffen oder erneuert werden. Reinigen Sie alle Oberflächen mit Bremsenreiniger. Montieren Sie die neue Kupplungsscheibe mit dem Zentrierdorn. Die beschriftete Seite zeigt zum Getriebe.
Schritt 6: Neues Ausrücklager einbauen
Fetten Sie das Führungsrohr dünn mit hitzebeständigem Kupplungsfett ein. Zu viel Fett kann auf die Kupplungsscheibe gelangen und diese ruinieren. Schieben Sie das neue Ausrücklager auf das Führungsrohr und befestigen Sie es gemäß Herstellervorgabe mit Klammern oder Federbügeln.
Prüfen Sie die Leichtgängigkeit des Lagers. Bei hydraulischen Systemen montieren Sie den neuen Zentralausrücker und ziehen die Befestigungsschrauben mit dem vorgeschriebenen Drehmoment an. Die Druckplatte wird nun über der Kupplungsscheibe positioniert und die Schrauben kreuzweise angezogen. Verwenden Sie dabei einen Drehmomentschlüssel.
Mechaniker-Tipp: Verwenden Sie bei der Kupplungsmontage unbedingt einen Zentrierdorn, sonst bekommen Sie das Getriebe nicht wieder auf die Eingangswelle geschoben. Ein einfacher Holzdübel im passenden Durchmesser funktioniert notfalls auch. Aber Achtung: Die Kupplungsscheibe muss absolut zentrisch sitzen, sonst wird die Getriebeeingangswelle beim Aufsetzen beschädigt.
Schritt 7: Getriebe wieder einbauen
Heben Sie das Getriebe mit dem Heber auf die richtige Höhe. Führen Sie die Getriebeeingangswelle vorsichtig durch das Ausrücklager in die Kupplungsscheibe. Das Getriebe sollte sich ohne großen Kraftaufwand an den Motor schieben lassen. Wenn es klemmt, stimmt die Ausrichtung nicht – niemals Gewalt anwenden.
Ziehen Sie die Befestigungsschrauben zwischen Motor und Getriebe kreuzweise mit dem vorgegebenen Drehmoment an. Montieren Sie die Getriebelagerung. Bauen Sie alle zuvor entfernten Anbauteile in umgekehrter Reihenfolge wieder an.
Schritt 8: Antriebswellen und Räder montieren
Setzen Sie die Antriebswellen wieder ein. Achten Sie darauf, dass die Simmerringe in der Getriebeglocke nicht beschädigt werden. Montieren Sie die Radnabenmuttern und ziehen Sie sie zunächst handfest an. Bauen Sie die Räder wieder an und lassen Sie das Fahrzeug herunter.
Ziehen Sie die Radmuttern und Radnabenmuttern im abgesenkten Zustand mit dem Drehmomentschlüssel nach. Die Werte finden Sie im Fahrzeughandbuch.
Schritt 9: Kupplung entlüften und testen
Bei hydraulischen Kupplungssystemen müssen Sie nach dem Einbau das System entlüften. Füllen Sie zunächst Bremsflüssigkeit im Ausgleichsbehälter nach. Eine zweite Person betätigt mehrmals das Kupplungspedal und hält es getreten. Öffnen Sie das Entlüftungsventil am Nehmerzylinder kurz, bis Flüssigkeit ohne Luftblasen austritt.
Wiederholen Sie den Vorgang, bis keine Luftblasen mehr kommen. Schließen Sie das Ventil und lassen Sie das Pedal los. Starten Sie den Motor und testen Sie die Kupplung bei stehendem Fahrzeug. Schalten Sie alle Gänge durch und achten Sie auf ungewöhnliche Geräusche. Machen Sie eine Probefahrt und achten Sie auf das Kupplungsverhalten.
Häufige Fehler vermeiden
Beim Wechsel des Ausrücklagers können einige Fehler die gesamte Arbeit zunichtemachen:
- Zu viel Fett verwenden: Überschüssiges Fett gelangt auf die Kupplungsscheibe und führt zu Kupplungsrutschen
- Kupplung nicht zentrieren: Ohne Zentrierdorn sitzt die Scheibe schief und das Getriebe lässt sich nicht montieren
- Alte Kupplung wiederverwenden: Bei ausgebautem Getriebe sollte immer die komplette Kupplung erneuert werden
- Schwungrad nicht prüfen: Riefen im Schwungrad zerstören die neue Kupplung innerhalb kurzer Zeit
- Schrauben mit falschem Drehmoment: Zu fest angezogene Schrauben können Gewinde beschädigen, zu lockere führen zu Vibrationen
- Kupplung nicht entlüften: Bei hydraulischen Systemen führt Luft im System zu schwammigem Pedalverhalten
- Antriebswellen beschädigen: Beim Ein- und Ausbau die Simmerringe und Gelenkwellen nicht verkanten
Wann sollte das Ausrücklager gewechselt werden?
Das Ausrücklager ist ein Verschleißteil, das typischerweise alle 150.000 bis 200.000 Kilometer erneuert werden sollte. Es gibt jedoch klare Anzeichen für einen vorzeitigen Defekt:
| Symptom | Beschreibung | Dringlichkeit |
|---|---|---|
| Brummen beim Treten | Deutliches Brummgeräusch, wenn das Kupplungspedal getreten wird | Mittel |
| Rasseln im Leerlauf | Rasselgeräusche verschwinden beim Treten der Kupplung | Hoch |
| Schwergängige Kupplung | Pedal lässt sich schwer durchtreten oder ruckt | Hoch |
| Schleifgeräusche | Metallisches Schleifen beim Schalten | Sehr hoch |
| Vibration im Pedal | Spürbare Vibrationen im Kupplungspedal | Mittel |
Ignorieren Sie diese Symptome nicht. Ein defektes Ausrücklager kann die Kupplungsscheibe und Druckplatte beschädigen und zu deutlich höheren Reparaturkosten führen. Bei ersten Anzeichen sollten Sie zeitnah eine Inspektion durchführen lassen.
Zusätzliche Wartungsarbeiten beim Getriebeausbau
Da das Getriebe bereits ausgebaut ist, können Sie weitere Wartungsarbeiten durchführen und so Zeit und Geld sparen:
- Wellendichtringe erneuern: Die Simmerringe für die Antriebswellen sollten vorsorglich getauscht werden
- Getriebeöl wechseln: Nutzen Sie die Gelegenheit für einen kompletten Ölwechsel im Getriebe
- Motorlager prüfen: Kontrollieren Sie die Gummilager auf Risse und Verschleiß
- Schwungrad erneuern: Bei sichtbaren Verschleißspuren sollte ein neues Schwungrad montiert werden
- Gelenkwellen prüfen: Kontrollieren Sie die Antriebswellen auf Spiel und defekte Manschetten
Diese zusätzlichen Arbeiten verursachen nur geringe Mehrkosten für Teile, ersparen Ihnen aber möglicherweise einen erneuten Getriebeausbau in naher Zukunft.
Häufig gestellte Fragen
Kann ich nur das Ausrücklager wechseln, ohne die Kupplung zu erneuern?
Technisch ist das möglich, aber nicht empfehlenswert. Der Arbeitsaufwand ist identisch, da in beiden Fällen das Getriebe ausgebaut werden muss. Wenn die Kupplung später verschleißt, zahlen Sie den Ausbau erneut. Ein kompletter Kupplungssatz kostet 100-200 Euro mehr.
Wie lange hält ein neues Ausrücklager?
Ein hochwertiges Ausrücklager hält typischerweise 150.000 bis 250.000 Kilometer. Die Lebensdauer hängt stark von der Fahrweise ab. Häufiges Fahren im Stadtverkehr mit vielen Schaltvorgängen reduziert die Haltbarkeit. Wählen Sie Qualitätsprodukte von renommierten Herstellern für längere Lebensdauer.
Ist der Wechsel bei jedem Fahrzeug gleich?
Die grundsätzliche Vorgehensweise ist ähnlich, aber es gibt fahrzeugspezifische Unterschiede. Frontantrieb und Heckantrieb erfordern unterschiedliche Vorgehensweisen. Bei manchen Modellen muss der Motor angehoben werden. Konsultieren Sie immer die fahrzeugspezifische Reparaturanleitung.
Welche Werkzeuge sind unverzichtbar für diesen Wechsel?
Unverzichtbar sind eine Hebebühne oder stabile Unterstellböcke, ein Getriebeheber, ein Drehmomentschlüssel und ein Zentrierdorn für die Kupplungsscheibe. Ohne diese Werkzeuge sollten Sie die Arbeit nicht beginnen, da Sie das Fahrzeug beschädigen könnten.
Muss die Kupplung nach dem Einbau angepasst werden?
Bei modernen hydraulischen Systemen erfolgt die Anpassung meist automatisch. Sie müssen lediglich das System entlüften. Bei mechanischen Systemen mit Seilzug kann eine Nachjustierung am Pedal erforderlich sein. Die ersten 500 Kilometer sollten Sie schonend schalten.
Mit dieser detaillierten Anleitung und dem passenden Ausrücklager können Sie die Reparatur selbst durchführen und erhebliche Werkstattkosten einsparen. Achten Sie auf hochwertige Ersatzteile und nehmen Sie sich ausreichend Zeit für die Arbeit. Bei Unsicherheiten konsultieren Sie einen Fachmann, denn Fehler beim Kupplungswechsel können teuer werden.







Ehrlich gesagt, finde ich es ziemlich überflüssig, ein Ausrücklager selbst zu wechseln. Es kostet Zeit und Energie. Warum nicht einfach in die Werkstatt gehen und es erledigen lassen?
Ich finde, dass Heimwerkerprojekte wie das Wechseln des Ausrücklagers uns Geld sparen können. Aber, was ist mit der Qualität? Kann ein Amateur wirklich die gleiche Arbeit leisten wie ein Profi in der Werkstatt?
Qualität hängt vom individuellen Können ab, nicht vom Beruf. Jeder kann lernen und üben!
Ich finde es toll, dass Heimwerker solche Dinge selbst machen können. Aber denkt ihr nicht, dass es manchmal besser ist, Profis zu bezahlen? Arbeitet nicht jeder besser in seinem Fachgebiet?
Ich finde es seltsam, dass der Artikel die Kosten in der Werkstatt nicht wirklich vergleicht. Wie viel sparen wir Heimwerker eigentlich, wenn wir das Ausrücklager selbst wechseln?